Alltag der Indianer

Wie die Indianer ihren Alltag erlebten, erfahren Sie auf den einzelnen Seiten in dieser Rubrik. Hier lesen Sie, wie die einzelnen Kulturen wohnten, wie sie sich kleideten und ihre Kindheit verbrachten. Auch das Familienleben wird ebenso vorgestellt, wie die Spiele, die die Indianer spielten.

Sie erfahren außerdem, mit welchen Nahrungsmitteln die Indianer sich ernährten, wie sie ihre Toten beerdigten und mit welchen Waffen sie kämpften.

Fast alle Indianer gingen auf die Jagd oder sie fingen Fische. Sie sammelten Beeren und Pflanzen aus der Natur – teilweise dienten diese Pflanzen als Nahrungsmittel und teilweise als Heilmittel. Sie beackerten Felder und pflegten ihre angebauten Kulturpflanzen. Die Indianer stellten Kunst und Schmuck her (kein anderer Stamm produzierte mehr handwerkliche Arbeiten als die Hopi). Die Indianer spielten auch Spiele in ihrer Freizeit.

Verschiedene Jagd- und Fangmethoden bei den Indianern:

So unterschiedlich die Kultur der einzelnen Stämme der Indianer ist, so unterschiedlich sind auch ihre Fang- und Jagdmethoden. Der Lebensraum, in dem die Indianer lebten, war ausschlaggebend für die Methode, auf die sie sich spezialisierten.

Bisonjagd

Der wissenschaftliche Name für den Büffel ist „Bison americanus“. Der Bison ist das größte Landtier Amerikas. Der Bulle wird bis zu drei Meter lang und etwa 1.000 kg schwer. Die Kühe sind kleiner. Bevor die Weißen nach Amerika kamen, bevölkerten über 60 Millionen Bisons die Prärie.

Der Bison war für die Plains- und Prärieindianer die Nahrungsgrundlage. Ihr Überleben hing davon ab, wie viele Tiere sie erlegen konnten. Deshalb spielte die Bisonjagd im Stammesleben eine große Rolle. Gejagt wurde nur, wenn die Vorräte zu Ende gingen und Hunger drohte.

Dann rief der Rat der Stammesältesten zur Jagd auf. Es wurden Späher ausgeschickt. Sobald sie Bisons sichteten, kehrten sie ins Lager zurück. Nun wurde die Taktik der Jagd besprochen.
Bevor die Indianer Pferde hatten, mussten die Bisons zu Fuß gejagt und getötet werden. Dies war eine sehr gefährliche Angelegenheit, die vielen Indianern das Leben kostete. Bei der Jagd zu Fuß gab es unterschiedliche Methoden. Es wurde versucht, die Herde in Panik zu versetzen und so über eine Klippe stürzen zu lassen (siehe auch Panikjagd) oder die Indianer versteckten sich unter Wolfsfellen, um die Büffel zu täuschen. Diese fürchteten in der Herde die Wölfe nämlich nicht und so konnten die Indianer sich an die Tiere heranschleichen, um sie zu töten. Die Domestizierung des Pferdes machte die Jagd für die Indianer deutlich einfacher.

Die Prärieindianer gingen meist spät im Frühjahr nach der Schneeschmelze auf Bisonjagd. Es war eine Gemeinschaftsjagd, bei der die berittenen Indianer mit speziellen Büffelpferden eine kleine Herde einkreisten. Die Büffelpferde waren eigens für die Bisonjagd abgerichtete, kleine, sehr widerstandsfähige Pferde und schreckten vor allem nicht vor den Bisons zurück.

Beim Einkreisen der Bisons leisteten die Büffelpferde sehr gute Dienste. Da Bisons schlecht sehen, reagieren sie langsam. Wurden sie aber angegriffen, waren sie gefährlich. Die Jäger ritten von zwei Seiten auf die Bisons zu. Diese versuchten nun zu fliehen. Wurde der Kreis geschlossen, gerieten die Tiere oft in Panik und liefen wild durcheinander. Die Jäger beschossen sie nun mit Pfeilen oder ritten dicht an einzelne Tiere heran, um sie mit der Lanze oder dem Speer zu töten.

Eine andere Methode war, dass die eingekreisten Bisons versuchten, durch die einzig offen gelassene Stelle des Kreises zu entfliehen. Dort allerdings standen die Jäger und erlegten die Tiere. Manchmal wurden die Bisons auch von einzelnen Indianern gejagt – meist im Winter. Dann näherten sich die Jäger den Bisons auf Schneeschuhen. Da die schweren Tiere im Schnee einsanken, konnten sie nicht fliehen.

Bärenjagd

Die Bärenjagd gehörte zu den gefährlichsten Jagdunternehmen der Indianer Nordamerikas. Besonders der Grizzly war eine reizvolle Jagdbeute. Die Jagd auf die Bären wurde oft zu Pferd ausgeführt. Hatten die Indianer einen Bären aufgespürt, lockten sie ihn aus der Höhle und versuchten ihn im Nahkampf zu erlegen.

Dabei benutzten sie Lanzen und Speere, um den Bären damit direkt ins Herz zu stechen. Der Tomahawk wurde benutzt, um den Bären damit den Schädel zu zertrümmern. Einen Grizzly zu erlegen galt als große Tapferkeit und als Mutprobe.

Vor allem ein verwundeter Bär war lebensgefährlich. Die Jagdtrophäen waren sehr begehrt. Ein Halsband aus Krallen oder Zähnen des Bären war das Abzeichen eines hervorragenden Jägers. Die Bärenzunge galt zudem als Leckerbissen. In Kanada jagen die Cree noch heute Bären.

Großwildjagd

Ein begehrtes Wild war auch der Wapiti, der amerikanische Hirsch. Er lieferte sehr feines Leder für Hemden, Kleider und Leggings. Die Hirsche wurden meist in aufgespannte Netze getrieben und mit Keulen oder Speeren getötet.

Panikjagd

Die Menschen der Steinzeit jagten Pferde und andere Herdentiere, indem sie die Tiere in Panik versetzten. Dazu trieben sie eine Herde auf einen Abgrund zu, über den sich die Tiere zu Tode stürzten. Auf diese Weise töteten die frühen Indianer Langhornbüffel und anderes Großwild – wohl auf Pferde, bevor diese in Amerika ausgestorben waren.

Feuerjagd

Wenn im Sommer das Präriegras sehr trocken war, zündeten die Indianer es manchmal halbkreisförmig an. Dabei wurde die Windrichtung genau beachtet. Das Wild geriet durch die Flammen in Panik und flüchtete. Die Jäger stellten sich an den Feuerschneisen auf und konnten die fliehenden Tiere dort leicht erlegen.

Fischfang

Es gab indianische Völker, die sich fast ausschließlich vom Fischfang ernährten. Dazu zählten die Inuit, Tlingit, Kwakiutl und Haida an der Nordwestküste Amerikas. Auch die Völker an Flüssen und Seen bereicherten ihren Speiseplan durch Fisch. Beim Fischen gab es unterschiedliche Methoden. Der Lachs z.B. wurde entweder mit Pfeil und Bogen oder von einer Plattform aus mit dem Stülpnetz gefangen. Oder man baute Fischzäune in die Flüsse und trieb die Fische in die Absperrungen.

(Die Informationen zu Jagd- und Fangmethoden stammen aus: „Meyers großes Indianerlexikon“ von Hans Peter Thiel – die Fotos sind eigene.)