Spiele der Indianer

Ihre Freizeit verbrachten die Indianer mit Erzählen, Diskussion über die Tagesereignisse oder mit Spielen. Die Nootka veranstalteten Lachwettkämpfe, wobei sich zwei Mannschaften gegenüber saßen, sich anstarrten und Wetten darüber abschlossen, wer zuerst in Lachen ausbrechen würde. Das zeigt, dass der Eindruck der Europäer über den „stoischen“ Indianer falsch war – obwohl es sicher zutrifft, dass er sich sehr bemühte seine Gefühle gegenüber Fremden nicht zu zeigen.

Die Spiele der Prärie-Indianer waren nicht viel anders als überall auf der Welt. Die Kinder besaßen auch Spielzeug. Es war gewöhnlich den Gegenständen der Erwachsenen nachgebildet. Die Mädchen spielten mit Puppen und hatten kleine Körbe und Töpfe aus Ton wie ihre Mütter. Die Spielsachen der Jungen waren meist auch Abbildungen aus dem Leben der Erwachsenen. Die Väter fertigten für ihre Söhne kleine Bogen mit Pfeilen an. Die Jungen hatten auch schon Kriegsbeile und später Gewehre aus Ahornholz, mit denen sie Kugeln aus gekauter Rinde verschossen.

Knochenspiel
Viele Spiele waren eine Variante des Knochenspiels, wobei markierte Stäbe und Würfel Verwendung fanden. Begleitet wurde dieses Spiel von besonderen Spielliedern mit Trommelwirbel und häufigen Freudenschreien. Auf diese Weise vergnügte man sich vor allem im Winter, wenn die Leute wegen des unfreundlichen Wetters in den Häusern blieben.

Spiele für Sommer und Winter
Die Mädchen spielten gerne Schnurspiele, bei denen schwierige Verwicklungen von einer Hand zur anderen wanderten. Die Jüngen bereiteten sich mit ihren Spielen auf ihre spätere Rolle als Krieger vor. Ihre Vergnügungen waren deshalb etwas rauer. Bei den nordamerikanischen Indianern gab es Spiele für den Sommer und den Winter.

Pfeilspiel (Sommer)
Die Jungen spielten im Sommer das Pfeilspiel. Dazu schossen sie einen Pfeil in die Luft und rannten los, um vor diesem am Ziel zu sein.

Kreiselspiel (Winter)
Im Winter spielten Jungen und Mädchen der Präriestämme das Kreiselspiel. Auf den Eisflächen von Bächen, Flüssen und Seen trieben sie mit einer Peitsche einen Kreisel auf den des Gegenspielers zu, um dessen Kreisel wegzuschießen. Das heutige Eisstockschießen ist ähnlich.

Wirf-es-hinein-Spiel (Winter)
Dieses Spiel ist eine Art Golf auf dem Eis. Bei dem Wirf-es-hinein-Spiel wurden am Rand Löcher in das Eis gebohrt. Die Kinder versuchten nun, ihren Kreisel mit möglichst wenigen Peitschenschlägen in ein Loch zu treiben. Der Gewinner erhielt die Kreisel der Mitspieler.

Reifenspiel
Die Männer vergnügten sich mit dem Reifenspiel, bei dem Speere oder Pfeile durch rollende Reifen geworfen wurden. Wie bei allen Spielen wurden auch hier Wetten abgeschlossen.

Spiele mit dem Ball
Lacrosse und Shinny werden auch heute noch mit Begeisterung von den Indianern gespielt. Nachfolgend lesen Sie mehr über diese beiden Spiele.

Lacrosse
Dieses Ballspiel war bei vielen Stämmen Nordamerikas beliebt. Als französische Missionare die dabei verwendeten Schläger sahen, gaben sie ihm den Namen „Lacrosse“, d. h. „krummer Schläger“. Die Indianer nennen das Spiel den „kleinen Bruder des Krieges“. Es war auch ein richtiges Kampfspiel. Die Spieler versuchten mit ein oder zwei Schlägern einen harten Lederball ins gegnerische Tor zu schlagen. Die löffelförmigen Schläger hatten ein Geflecht aus Tiersehnen – ähnlich wie dem Tennis-schläger. Der Ball durfte nur mit dem Stock oder den Füßen berührt werden. Oft waren über 100 Spieler auf dem Spielfeld. Im Spiel ging es meist so rau zu, dass sich mancher dabei die Knochen brach. Die Irokesen, Sioux und Algonkin verwendeten ein Schläger, hingegen die Choctaw und Chickasaw zwei benutzten. Zur besseren Unterscheidung der gegnerischen Parteien malte sich die eine Mannschaft am ganzen Körper weiß an. Das Lacrosse gilt übrigens als Vorläufer des Tennis.

Shinny
Das Shinny-Spiel ist mit dem Hockey zu vergleichen. Die Spieler einer Mannschaft müssen dabei einen mit Gras ausgestopften Lederball mit einem gekrümmten Stock auf ein Tipi zutreiben. Shinny wird noch heute bei den nordöstlichen Stämmen gespielt, häufig auch von Frauen. Die Frauen benutzen dazu längere Stöcke als die Männer, die sie mit beiden Händen halten.

Netzradspiel
Bei fast allen Prärieindianern war das Netzradspiel bekannt. Man musste dabei einen Pfeil durch ein Holzrad werden, das mit einem Netz oder mit Schnüren bespannt war. Damit es nicht zu leicht wurde, hat man das Rad gerollt. Der Haupttreffer war der Wurf durch die mittlere Masche.

Pfeilspiel
Alle Prärieindianer liebten das Pfeilspiel. Dazu versammelten sich die besten Bogenschützen im Lager und schossen acht bis zehn Pfeile in die Luft. Der erste Pfeil wurde so hoch wie möglich geschossen. Dann mussten schnell die anderen Pfeile nachgeschickt werden. Sieger war, wer gleichzeitig die meisten Pfeile in der Luft hatte. Wie bei vielen Indianerspielen ging es oft um hohe Einsätze.

Pflaumenkernspiel
Vor allem bei Irokesen, aber auch die Sioux liebten das Pflaumenkernspiel. Es war eine Art Würfelspiel mit bemalten Kernen der Persimone oder anderen Kernen von Steinobst. Die Sioux nannten es „Spiel mit dem Korb“. Die Kerne wurden in einem Becher oder einem Korb geschüttelt und hochgeworfen. Der Spieler, bei dem die meisten Kerne mit der bemalten Seite noch oben lagen, hatte gewonnen. Dabei ging es wie so oft um hohe Einsätze.
Gefährliche Spiele

Fliegerspiel
Viel Mut gehörte zum Fliegerspiel der Tolteken, das es heute noch gibt. Jeweils fünf Menschen bildeten eine Mannschaft. Der Mannschaftsführer kletterte mit seinen Mitspielern auf die Plattform eines bis zu 30 m hohen Pfahls. Auf sein Kommando stürzten sich die Mitspieler an den Seilen in die Tiefe. Nun drehte der Spielführer die Plattform mit den Füßen so schnell, dass die vier Menschen wie Vögel durch die Luft flogen.

Ballspiel für die Götter
Ein weiteres gefährliches Spiel der Olmeken ist das Ballspiel für die Götter. Hierbei spielen die Olmeken mit einem steinharten Ball aus Naturkautschuk. Dieses Spiel übernahmen die Maya und Azteken. Es fand auf einem großen Ballspielplatz zu Ehren der Götter statt. Der Ball stellte die Sonne und ihren Lauf am Himmel dar und musste durch einen steinernen Ring fliegen, der in drei bis sieben Meter Höhe angebracht war. Er durfte nur mit der Hüfte, dem Ellbogen oder dem Schlagstein berührt werden. Die Spieler waren mit Kopfputz, Ohrringen und Jade geschmückt, Arme und Beine waren teilweise bandagiert. Das Spiel war sehr anstrengend und der harte Ball ein gefährliches Geschoss. Zum Schluss wurden die Spielführer manchmal enthauptet und den Göttern geopfert.

Aus: „Meyers großes Indianerlexikon“ von Hans Peter Thiel