Nordamerikanische Indianerbewegung

Aus der Chronik der nordamerikanischen Indianerbewegung
(entnommen aus dem Buch von Steve Talbot: „Indianer in den USA – Unterdrückung und Widerstand“)

1675 – 1676 King Philip (Metacom), Oberhäuptling de Wampanog, organisiert eine Konförderation der Stämme Neu-Englands gegen die weißen Kolonisten. In der Schlacht in Rhode Island (12. August 1676) werden die Indianer völlig aufgerieben.
1763 – 1766 Aufstand unter Führung des Ottawa-Häuptlings Pontiac, der die Zerstörung der befestigten englischen Posten im Gebiet der Großen Seen zum Ziel hat.
1776 – 1783 Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg. Annahme der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776
1790 – 1795 Widerstandskämpfe der Indianer des nordöstlichen Waldlandes (Iroquois, Miami, Delaware, Potawatomi, Shawnees, Wyandot, Chippewa und Ottawa) gegen das Vordringen der weißen Siedler. Nach mehreren Siegen Niederlage am Maumee-Fluss.
1794 Der Jay-Vertrag beendet den Krieg zwischen den USA und England. Er gestattet u. a. auch den Indianern zoll- und gebührenfreies Passieren der Grenzlinie. 1867 tritt Kanada an die Stelle Englands. 1956 wurd der Vertrag von Kanada gebrochen und den Indianern werden Zollverpflichtungen auferlegt. Seitdem geht ein verstärkter Kampf der Indianer um die ursprünglichen Vertragsrechte.
November 1811 Niederlage der Shawnee und benachbarter Stämme unter Führung von Tenskwatawa in der Schlacht bei Tippecanoe. Damit wird der Plan Tecumsehs, durch ein Konförderation aller Stämme westlich und südlich der Shawnee den Ohio als Grenze gegen die weißen Kolonisten zu halten, vereitelt.
1812 Florida- oder Seminole-Krieg. Noch unter spanischer Herrschaft beginnt der Kampf der Seminole gegen die Vereinigten Staaten.
05.10.1813 In der Schlacht am Thames River, in der Engländer gegen Amerikaner kämpfen, sind auf beiden Seiten Indianer beteiligt. Tod des Shawnee-Häuptlings Tecumseh.
1813/1814 Aufstand der Cree in Alabama. Deren Niederlage führt zur erzwungenen Abtretung des größten Teils ihres Landes an die Vereinigten Staaten.
1817/1818 General Jackson führt mit 3000 Soldaten Krieg gegen die Seminole. Daraufhin tritt Spanien 1819 Florida an die USA ab.
1823 US-Feldzug gegen die Arickaree.
1824 Gründung des Büros für Indianische Angelegenheiten (BIA); wird dem Kriegsministerium der USA unterstellt.
1827 La-Fevre-Aufstand der Winnebago.
1830 Gesetz über die Umsiedlung der Indianer.
1831 Erhebung der Sauk und Fox in Illinois.
1832 Aufstand der Sauk unter Häuptling Black Hawk gegen die US-Regierung.
1835 – 1837 Aufstand der Creek in Alabama.
1835 – 1842 Widerstandskampf der Seminole, bis 1838 geführt von Häuptling Osceola; endet mit einer ersten zwangsweisen Umsiedlung.
1836 – 1838 Erhebung der Cherokee – sie werden in das Indianerterritorium (Gebiet des heutigen Bundesstaates Oklahoma, in das besonders in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Indianerstämme aus den Ostregionen der USA zwangsweise umgesiedelt wurden) umgesiedelt.
1837 Aufbegehren der Osage.
1849 Das BIA wird dem Innenministerium der USA unterstellt.
1849 – 1861 Widerstandskämpfe der Cheyenne, Comanche, Lipan, und Kickapoo in Texas.
April – Septemeber 1850 Sogenannte Pit-River-Expedition der USA in Kalifornien.
1850 – 1886 Aufstände der Apachen; ein bedeutender Führer ist Häuptling Geronimo.
1851 – 1853 Widerstandskämpfe der Ute.
Okt./Nov. 1855 US-Strafexpedition« gegen die Yakima im heutigen Bundesstaat Washington.
1855/1856 US-Strafexpedition gegen die Sioux in Nebraska.
1855/1856 Aufstände der Arapaho und Cheyenne.
1855 – 1858 Erhebung der Seminole in Florida.
1857 Aufstände der Sioux in Minnesota und Iowa.
1858 US-Feldzug gegen die Indianerstämme nördlich von Washington.
1858/1859 US-Strafexpedition gegen die Wichita.
1859 US-Straffeldzug gegen die Pecos in Texas.
1860 US-Straffeldzug gegen die Kiowa und die Comanche im Indianerterritorium.
1861 – 1865 Bürgerkrieg der Nordstaaten gegen die Südstaaten der USA.
1862 – 1867 Widerstandskampf der Sioux in Minnesota und Dakota.
1863 – 1869 Widerstandskampf der Cheyenne, Arapaho, Kiowa und Comanche im Indianerterritorium.
1865 – 1868 Erhebungen der Indianer im Süden von Oregon und Idaho sowie im Norden von Kalifornien und Nevada.
1867 – 1881 US-Feldzüge gegen die Lipan, Kiowa, Kickapoo und Comanche.
1872/1873 Aufstand der Modoc.
1874 US-Strafexpedition gegen die Sioux in Wyoming und Nebraska.
1874/75 US-Feldzug gegen die Kiowa, Cheyenne und Comanche im Indianerterritorium.
1875 US-Feldzug gegen die Indianer im Osten von Nevada.
1876/1877 Die US-Yellowstone-Expedition nach Wyoming führt zur Schlacht am Little Bighorn, Montana (25. Juni 1876). Sie endet mit der völligen Vernichtung der US-Truppen unter George A. Custer durch die verbündeten Sioux, geführt von den Häuptlingen Sitting Bull und Crazy Horse.
1876 – 1879 Krieg gegen die Northern Cheyenne und Sioux im Indianerterritorium, in Kansas, Wyoming, Dakota, Nebraska und Montana
1878/1879 US-Feldzüge gegen die Bannock, Paiute und Ute.
1887 Erlass des Allgemeinen Landzuweisungsgesetzes (auch Dawes-Gesetz). Es zielt auf die Zerstörung des Reservationssystems und die Auflösung der Stammesbeziehungen. Das traditionell kollektiv genutzte Reservationsland wird in Parzellen unterteilt und an die Indianer als Privatbesitz vergeben. »Überschußland« wird weißen Interessenten zum Kauf angeboten.
1888 Erstes Auftreten der Geistertanzbewegung unter den Paiute in Colorado. Durch die Wanderungen des »Propheten« Wovoka schnelle Verbreitung über große Gebiete der USA. Diese religiöse Bewegung basiert auf dem Glauben, dass durch Beschwörung der Geister der Ahnen mit ihrer Hilfe die Weißen aus dem Lande getrieben werden und dann die frühere, freie Lebensweise wiederkehrt.
1890 – 1892 Aus der Geistertanzbewegung resultierende Erhebung der Sioux in Dakota. 300 Minneconjou Sioux werden von der 7. US-Kavallerie niedergemetzelt (Massaker in Wounded Knee am 29. Dezember 1890). Sitting Bull wird am 15. Dezember 1890 hinterrücks erschossen.
1924 Erlass des Snyder-Gesetzes, mit dem alle Indianer der USA den Status von Staatsbürgern der USA erhalten. Eine Folge davon ist, dass indianische Parzellenbesitzer zur Steuerzahlung gezwungen werden, obwohl es sich um ihr ureigenes Land handelt. Da sie meist nicht dazu in der Lage sind, müssen viele ihr Land verkaufen oder an das BIA bzw. weiße Farmer verpachten.
1926 Herausgabe der ersten indianischen Zeitung »Wassaja« (»Rauchsignal«) durch die Cherokee.
1933 Die unter Präsident Roosevelt einsetzende staatskapitalistische Politik des New Deal führte zu differenzierteren Methoden der Ausbeutung und Unterdrückung, der nordamerikanischen Ureinwohner.
1934 Gesetz zur Reorganisierung der Indianer (auch »Wheeler-Howard-Gesetz«) wird erlassen. Die Indianer können parzelliertes Land wieder zur kollektiven Nutzung zusammenlegen. Aufgrund der Auswirkungen des Landzuweisungsgesetzes war inzwischen jedoch das Indianerland auf etwa ein Drittel seines ursprünglichen Umfangs zusammengeschrumpft. Erstmals seit Wirken des BIA gewährt man den Indianern beschränkte Selbstbestimmung, verbessert die Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, fördert das traditionelle Handwerk und hebt das Verbot über die Ausübung religiöser Zeremonien auf.
1941 Eintritt der USA in den zweiten Weltkrieg. In der Folge werden finanzielle Zuschüsse des Staates für die Reservationen gestrichen.
1943 Gründung der Navajo-Zeitung »Adahooniligii« (später »-Navajo Times«). Schaffung eines eigenen Rundfunksenders.
1944 Gründung des Nationalkongresses Amerikanischer Indianer (NCAI).
1946 Kommission zur Regelung der Besitzansprüche der Indianer gegründet. Die von den Indianern erhoffte finanzielle Entschädigung für den Landraub in der Vergangenheit erfolgt nur zögernd und weit unter Wert.
1948 Kerr McGee beginnt auf Navajo-Land mit dem Uranabbau.
1950 Der Navajo-Stammesrat vergibt ohne Zustimmung der Hopi Abbaulizenzen für Kohle auf dem gemeinsamen Gebiet der Black Mesa. Damit beginnt die Zerstörung des spirituellen Zentrums der Hopi.
1953 Verschärfte Anstrengungen der US-Regierung zur Auflösung der Reservationen und Kündigung der Verträge mit den Indianern. Dazu dient die Begleitresolution 108 des Kongresses.
1956 Erstes Treffen traditionalistisch gesinnter Indianer in Hotevilla (Arizona).
1958 Alaska wird 49. Bundesstaat der USA, damit unterstehen die dort lebenden Indianervölker ebenfalls der USA-Gesetzgebung.
1959 Die Sechs Nationen der Iroquois bitten Fidel Castro um Unterstützung ihres Antrages um Aufnahme in die UNO. Eine Delegation unter Führung des Tuscarora-Häuptlings Mad Bear reist nach Havanna und wird dort als Vertreter einer eigenständigen Nation empfangen.
1960 Die Eisenhower-Regierung betreibt verstärkt eine Politik, die die Indianer zum Verlassen der Reservationen veranlassen soll.
1960 Gründung des Nationalrates der Indianischen Jugend, getragen von in Städten lebenden Indianern.
1961 420 Vertreter von 67 Indianerstämmen verabschieden eine Grundsatzerklärung über die Zielstellungen der Indianer, die dem US-Kongress vorgelegt wird.
1962 Die Peabody Coal Company will einen Kohletagebau auf der Black Mesa, Teil der Hopi-Reserva-tion, anlegen.
1963 Der Bundesstaat Washington erlässt Verbote für den Fischfang durch Indianer.
1964 Aufhebung der Politik der Vertragskündigung gegenüber den Indianern durch J.F. Kennedy. Gründung der Vereinigung für das Überleben der amerikanischen Indianer. Hauptkonferenz der amerikanischen Indianer zu Fragen der Armut in Washington, D. C.
1966 Clyde Warrior proklamiert auf der Tagung des Nationalkongresses Amerikanischer Indianer in Oklahoma City die Ziele des indianischen Widerstandes. Es wird der Begriff »Red Power« geprägt.
1966 Der Kommissar des BIA, der Oneida-Indianer Robert L. Bennett, formuliert eine neue Politik gegenüber den Indianern: nicht Unterstützung, sondern gleiche Rechte wie jeder Staatsbürger bei Beibehaltung der indianischen Kultur. 1969 muss Bennett sein Amt niederlegen.
1967 Abordnungen der Indianer nehmen am Martin-Luther-King-Friedensmarsch in New York teil.
1968 Robert Kennedy brandmarkt die Politik der USA gegenüber den Indianern.
1968 Gründung der Amerikanischen Indianerbewegung (AIM) in Minneapolis (Minnesota). Mehr zur AIM lesen Sie hier: AIM
1969 Gründung des ersten indianischen Verlagshauses The Indian Historian Press durch die Gesellschaft für die Geschichte der nordamerikanischen Indianer.
November 1969 Beginn der Besetzung der ehemaligen Gefängnisinsel Alcatraz in der Bucht von San Francisco. Sie dauert 1,5 Jahre an.
1969 Die KP der USA führt eine spezielle Konferenz zur Indianerfrage in den USA durch.
1970 Protest der Seneca gegen Staudammbau auf ihrem Reservationsland.
März 1970 Indianer verschiedener Stämme fordern eine Universität für Indianer.
Juni 1970 Das BIA verbietet die Kahlrasur und Handschellen als Bestrafung der Indianerkinder in Internatsschulen.
1970 Gründung des Komitees zur Befreiung der Indianer innerhalb der Regionalkomitees der KP der USA.
Juli 1970 Der Kommissar für Indianerangelegenheiten, Louis Bruce, kündigt die Veränderung des BIA von einem »Verwaltungsamt« zu einer dienstleistungsorientierten Agentur an, um die Selbstverwaltung der Indianer zu unterstützen.
1970 Die Puyallup, geführt von Bob Satiacum und einem gewählten Stammesrat, errichten am Puyallup River ein Lager, um die Fischereirechte ihres Stammes zurückzufordern (»Fish-in«).
30.09.1970 Indianer besetzen einen verlassenen Nachrichten-Stützpunkt eines Luftkommandos bei Davis, Kalifornien, und gründen die D.-Q.-University für Indianer und Chicanos.
1970 Sioux von Pine Ridge, Rosebud und Rapid City besetzen den Mount Rushmore unter Berufung auf den Vertrag von Fort Laramie 1868, in dem die Black Hills den Indianern auf ewig zugesprochen wurden.
27.10.1970 Sitzstreik in Shasta County, Kalifornien. Pit-River-Indianer beanspruchen 3.368.000 Morgen Stammesland von der Pacific Gas & Electric Company. Polizeieinheiten werden eingesetzt. Die Konfrontation wird unter »Schlacht von Four Corners« bekannt.
Dezember 1970 Der Senat beschließt die Rückgabe des den Indianern heiligen Blue Lake und weiterer 10.400 Hektar Land an die Taos Pueblo.
1971 Gesetz zur Regelung der Besitzansprüche der Ureinwohner Alaskas. Was folgt ist Landraub gegen geringe finanzielle Entschädigung.
19.01.1971 Mordanschlag auf Hank Adams, Führer der Ver einigung für das Überleben der amerikanischen Indianer, einer Vereinigung, die auch für die Rechte der indianischen Fischer eintritt.
11.06.1971 Eine Streitmacht von Polizeikräften und Einheiten der Küstenwache zwingt die sich als Indianer aller Stämme organisierten Indianer, die Insel Alcatraz nach 19 Monaten zu räumen.
Juli 1971 Verabschiedung des James-Bay-Gesetzes. Die Überflutung riesiger Landgebiete der Cree in Kanada wird ohne Erlaubnis der Besitzer genehmigt.
Juli 1971 Die Chippewa von Lac Courte Oeills rufen zu einem Protestmeeting auf, um die Rückgabe von Ufergrenzland zu fordern, das ihnen vor einem halben Jahrhundert von einer Talsperren-Gesellschaft genommen wurde. Die Pachtrechte der Regierung auf dieses Land sind abgelaufen.
1971 Traditionalistisch gesinnte Indianer eröffnen in September Akwesasne eine Survival School (Überlebensschule).
20.02.1972 Raymond Yellow Thunder, ein Oglala Sioux aus der Pine-Ridge-Reservation stirbt nach Misshandlungen durch vier weiße Jugendliche. Die Mörder werden nach einmonatiger Haft freigesprochen. Über 300 Indianer beteiligen sich an einem Protestmarsch dagegen.
Juni 1972 Delegierte der Sechs Nationen der Iroquois nehmen an der 3. Weltumweltkonferenz in Schweden teil und reisen mit Stammespässen.
30.09.1972 In Denver (Colorado) wird der »Trau of Broken Treaties« (»Pfad der gebrochenen Verträge«) geplant. Zwölf Vereinigungen übernehmen die Organisation: die Nationale Indianische Bruderschaft (Kanada), der Fonds für die Rechte der nordamerikanischen Ureinwohner, die Amerikanische Indianerbewegung, der Nationalrat der Indianischen Jugend, der Nationalkongress Amerikanischer Indianer, der Nationalrat zu Fragen der Arbeit der Indianer, der Nationale Führungsrat, die Gemeinschaft amerikanischer Indianer zur Bekämpfung des Alkohol- und Drogenmissbrauchs, der Nationale Aktionsausschuß amerikanischer Frauen, die Vereinten Ureinwohner Amerikas, der Nationalausschuß Lutheranischer Indianer und die Koalition der von Indianern kontrollierten Schulbehörden. Der Marsch beginnt in St. Paul Minnesota und endet mit der Besetzung des BIA-Gebäudes in Washington, D. C. Der Regierung wird ein 20-Punkte-Programm vorgelegt.
November 1972 Ureinwohner arktischer und nördlicher Gebiete, einschließlich Inuit (Eskimo) und Lappen, einigen sich in Kopenhagen auf gemeinsame Anstrengungen, um die Regierung ihrer Länder für die Anerkennung ihrer Landrechte zu gewinnen.
1972 Indianische »Thanksgiving«-Demonstration auf Plymouth Rock. 12 Neu-England-Stämme beteiligen sich daran und geben zum Ausdruck, dass sie den Tag der Einwanderung der ersten weißen Siedler in dieses Gebiet als »Trauertag« begehen.
Dezember 1972 Die AIM leitet eine Untersuchung der Verwendung der Hilfsmittel für die Opfer der Flutkatastrophe in Rapid City, Süddakota, ein, da Solidaritätsgüter in Höhe von 25.000 Dollar veruntreut wurden.
14.01.1973 Einheitskonferenz der Chicanos und der Indianer in Scottsbluff (Nebraska). Willkürlich werden AIM-Gäste verhaftet. Russell Means kommt ins Gefängnis.
21.01.1973 In Buffalo Gap (Süddakota) wird der Oglala Sioux Wesley Badheart Bull von einem Weißen erstochen, der Mörder jedoch auf freien Fuß gesetzt.
16.02.1973 Misstrauensantrag gegen den Stammesratsvorsitzenden Richard Wilson durch Pedro Bissonette und die Bürgerrechtsorganisation der Oglala Sioux auf der Pine-Ridge-Reservation, Süddakota.
26.02.1973 Die Bürgerrechtsorganisation der Oglala Sioux unter Führung von Pedro Bissonette und traditionelle Sioux-Häuptlinge beschließen, die AIM um Hilfe zu bitten. Beschluss der Besetzung von Wounded Knee wird gefasst, die Unabhängige Oglala Nation ausgerufen.
27.02.1973 300 bis 400 Oglala Sioux besetzen die kleine Ortschaft Wounded Knee. AIM-Führer Carter Camp fordert: 1. die Überprüfung der Akten des BIA und des Innenministeriums durch den Senatsausschuß unter Edward Kennedy; 2. die Auflösung des BIA-Stammes Vorstandes auf der Pine-Ridge-Reservation; 3. die Untersuchung der 371 gebrochenen Verträge durch Senator W. Fulbright.
28.02.1973 250 FBI-Agenten, Bundesmarshalls und BIA-Beamte überwachen die Zufahrtsstraßen nach Wounded Knee. Russell Means fordert die Regierung zu Verhandlungen auf.
01.03.1973 Die Senatoren McGovern und Abourezk fliegen nach Pine Ridge. Verhandlungen bleiben ohne Erfolg.
März 1973 Das Justizministerium gibt bekannt, dass alle Indianer bis zum 5. März das Areal verlassen können und straffrei ausgehen.
03.03.1973 Rechtsanwälte des Fonds für die Rechte der nordamerikanischen Ureinwohner und der Zweigstelle der Nationalen Vereinigung der Rechtsanwälte in Denver treffen in Wounded Knee ein, um sich bei den Verhandlungen einzuschalten.
05.03.1973 Der Stammesrat der Northern Cheyenne nimmt eine Resolution an, die zur Annullierung aller Kohleausfuhr- und Pachtverträge aufruft.
07.03.1973 Pastor Ralph Abernathy, Führer der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung, trifft in Wounded Knee ein und versichert die Indianer der Unterstützung durch die Kirche.
08.03.1973 Senator Edward Kennedy appelliert an das Justizministerium, die Blockade aufzuheben.
11.03.1975 Offizielle Haftbefehle gegen Dennis Banks, Clyde Bellecourt, Pedro Bissonette, Carter Camp und Russell Means.
16.03.1973 Solidaritätsbekundungen für die Eingeschlossenen in Wounded Knee durch Indianer und Weiße in allen Teilen des Landes.
17.03.1973 Dennis Banks erhält Vorschläge der Regierung, die von den Indianern in Wounded Knee abgelehnt werden.
23.03.1973 Angela Davis wird von bewaffneten Bundesbeamten an der Sperrkette vor Wounded Knee abgefangen und ausgewiesen.
26.03.1973 Die Einfuhr genehmigter Lebensmittel und Medikamente nach Wounded Knee wird gesperrt.
29.03.1973 Die Regierung hat errechnet, dass die Aufrechterhaltung der Wounded-Knee-Blockade täglich 50.000 Dollar kostet.
14.04.1975 Die Regierung beginnt mit Angriffsvorbereitungen, um die Besetzung von Wounded Knee durch die Oglala zu beenden.
17.04.1973 Sämtliche US-Posten eröffnen das Feuer. Der Apache Frank Clearwater wird tödlich verwundet.
08.05.1973 Nach erneuten Verhandlungen werden die Panzer abgezogen. Die Oglala geben ihre wenigen Waffen ab. Die ersten Indianer werden vom FBI abgeführt.
August 1973 Zu den X. Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Berlin weilen Indianerdelegationen aus den USA und Kanada in der Hauptstadt der DDR – unter ihnen Teilnehmer der Wounded-Knee-Besetzung.
17.10.1975 Pedro Bissonette, Führer der Bürgerrechtsorganisation der Oglala Sioux und Führer der Wounded-Knee-Besetzung wird von der BIA-Polizei auf der Pine-Ridge-Reservation erschossen. Er sollte als Hauptentlastungszeuge in den Wounded-Knee-Prozessen auftreten.
28.11.1973 Morris Thompson, ein Athapaske aus Alaska, als Kommissar für Indianerangelegenheiten durch den US-Senat bestätigt.
1974 Der US-Kongress beschließt die Teilung des gemeinsamen Nutzungsgebiets für Navajo und Hopi. Bis 1986 sollen 10.000 Navajo in die umliegenden Städte zwangsumgesiedelt werden.
08.01.1974 Beginn der Prozesse gegen die Führer der Wounded-Knee-Besetzung in St. Paul (Minnesota) und Sioux Falls. Angeklagt werden: Dennis Banks, Russell Means, Stan Holder, Carter Camp und Leonard Crow Dog.
27.03.1974 Die Wounded-Knee-Prozesse werden bis 1. Juli eingestellt.
18.05.1974 Die Mohawk kehren zu ihrem früheren Land in den Adirondack Mountains zurück, um ihren traditionellen Lebensstil durchzusetzen. Es entsteht die Siedlung Ganienkeh.
16.09.1974 Richter Fred Nichols lässt sämtliche Anklagen gegen Means und Banks fallen, als die Vergehen des FBI im Fall Wounded Knee veröffentlicht werden.
20.09.1974 Die Kootenai fordern Reparation für den Verlust von 600.000 Hektar Stammesland und 51.200 Hektar Land für eine selbstverwaltete Reservation.
11.12.1974 AIM-Führer Clyde Bellecourt besucht die DDR und dankt bei dieser Gelegenheit für die erwiesenen Solidaritätsaktionen.
26.02.1975 AIM-Mitglieder besetzen die Gebäude einer Elektronikfabrik auf der Navajo-Reservation bei Shiprock (Neumexiko). Die Firma hat Massenentlassungen angeordnet, die 140 Indianer betreffen würden.
26.02.1975 Das Innenministerium beschlagnahmt 54.530 Hektar Land auf der Pine-Ridge-Reservation, um nach Uran zu suchen.
30.12.1975 Das US-Verteidigungsministerium nimmt eine nachträgliche Korrektur an der Vergangenheit vor und erklärt Wounded Knee I (1890) als legitime Schlacht und verneint das historisch belegte Massaker.
29.01.1976 Albert Trimble, Oglala Sioux, wird als neuer Stammesratsvorsitzender der Pine-Ridge-Reservation gewählt; er löst den korrupten Richard Wilson ab.
04.07.1976 »Freedom Trail« (»Freiheitspfad«) als Gegendemonstration zur 200-Jahr-Feier der USA. Die Indianer erklären das Jahr 1976 zum Jahr der Trauer im Gedenken an die Schlacht am Little Bighorn 1876.
27.10.1976 4. Weltkongress der Urbevölkerung in Port Alberni, British Columbia (Kanada), auf Einladung der Nootka. Der erste »Weltrat der Urbevölkerung« repräsentiert 35 Millionen Menschen.
16.11.1976 Chippewa von Wisconsin fordern 6 Millionen Dollar von Abbaugesellschaften, die auf ihrem Gebiet nach Bodenschätzen suchen.
1977 Der Internationale Vertragsrat der Indianer (IITC, gegründet 1974) erhält als nichtstaatliche Organisation Beraterstatus an der UNO.
20.07.1977 22 Stämme des Nord- und Südwestens beschließen die Gründung einer eigenen Energiegesellschaft, um die Bodenschätze auf ihren Reservationen in eigener Verantwortung abzubauen.
20.09.1977 Beginn der I. Konferenz nichtstaatlicher Organisationen über die Diskriminierung der Ureinwohner Nord-, Mittel- und Südamerikas im Genfer Palast der Nationen (Schweiz): Vertreter, von Stämmen aus Kanada, den USA und Südamerika legen der UNO das erste Mal Dokumente über den Völkermord aus ihren Ländern vor. So werden zum Beispiel in den USA Indianerkinder für die Erprobung neuentwickelter Medikamente missbraucht, eins von je vier Kindern aus ihrer Umwelt herausgerissen und in nichtindianischen Familien untergebracht. Außerdem wurden seit 1972 etwa 42 Prozent der indianischen Frauen in den USA zwangssterilisiert.
14.10.1977 Russell Means, Führer der Amerikanischen Indianerbewegung (AIM), besucht die DDR auf Einladung des Friedensrates der DDR.
12.01.1978 Durch ein Willkürurteil erklärt das Bundesgericht in Boston die Wampanoag für nicht existent. Dieser Stamm hatte auf Rückgabe von 7200 Hektar Boden geklagt.
15.04.1978 1000 Repräsentanten von 160 Indianerstämmen der USA und Kanadas führen auf der Navajo-Reservation in Window Rock (Arizona) eine dreitägige Konferenz über die Sicherung ihrer Vertrags- und Menschenrechte durch.
15.07.1978 Der am 11. Februar in San Francisco begonnene »Longest Walk« (»Längste Marsch« – 5000 km) erreicht die Hauptstadt Washington. Die Teilnehmer des Marsches wehren sich gegen die Absicht der Regierung, Gesetzesvorlagen zu verabschieden, die alle Verträge mit den Indianern aufheben. Auf einer Kundgebung im Meridian Hill Park klagen die Indianer die weitere Aneignung ihres Landes durch multinationale Konzerne an.
18.09.1978 Gründungskonferenz von Frauen aller Roten Nationen in Rapid City, Süddakota.
12.10.1978 Erstmals wird der Tag der internationalen Solidarität mit den Ureinwohnern Amerikas, beschlossen auf der Genfer Konferenz 1977, begangen.
1979 Der Oberste Bundesgerichtshof der USA lehnt ein Wiederaufnahmeverfahren im Fall Peltier ab. Leonard Peltier war wegen angeblichen Mordes an zwei FBI-Agenten im Juni 1975 zu zweimal lebenslänglicher Haft verurteilt worden.
Januar 1975 Gründung der Black Hills Alliance von traditionalistisch gesinnten Indianern, der AIM, Farmern und Studenten gegen die zügellose Ausbeutung der Ressourcen in den Black Hills und für die Anerkennung des Vertrages von Fort Laramie (1868). William Hallet, ein Chippewa von der Red-Lake-Reservation in Minnesota, wird zum neuen Kommissar des BIA ernannt.
18.06.1979 5i Internationale Vertragskonferenz der Indianer in Big Mountain (Arizona). Zentrales Thema ist die Zwangsumsiedlung mehrerer tausend Familien der Navajo.
10.08.1979 Indianer aus Nordamerika nehmen am Festival der Urvölker in Karesuvanto, Finnland, teil.
20.02.1980 Die Mohawk protestieren während der Winter-Olympiade von Lake Placid in Saranac Lake, um die Weltöffentlichkeit über die Unterdrückung der Indianer auf der St.-Regis-Reservation zu informieren.
01.06.1980 Mit einer Zeremonie auf Alcatraz beginnt ein zweiter »Long Walk for Survival« (»Marsch für das Überleben«) der Indianer durch den Kontinent nach Washington, D. C.
27.06.1980 600 Vertreter von 98 Stämmen nehmen an der 6. Internationalen Vertragskonferenz der Indianer in Fort Belknap (Montana) teil. – Die Sioux beschließen, die 117 Millionen Dollar der Regierung als Entschädigung für die Black Hills nicht anzunehmen.
18.07.1980 Internationales Treffen zum Überleben in den Black Hills; 15 000 Indianer und Weiße aus 36 Ländern treten gegen die Zerstörung der Black Hills durch die Energiekonzerne auf.
29.07.1980 Der Rat der Stämme, Dachorganisation aller in Nevada lebenden Shoshone und anderer Stämme, lehnt einmütig die Errichtung des Abschussbasensystems für die neue interkontinentale MX-Rakete in Nevada und Utah ab. Erstmalig schließen sich weiße Farmer an.
1980 Das jahrhundertealte Kulturerbe der nordamerikanischen Ureinwohner ist bedroht. Allein in Utah sind von 25.000 bekannten historischen Fundstätten 90 Prozent durch Grabräuber zerstört. Das erst 1979 verschärfte Gesetz zum Schutz archäologischer Denkmäler hat bisher nur selten zu Bestrafungen der Plünderer geführt.
29.08.1980 Auf einer Konferenz in New York fordern Indianerführer von 120 Stämmen die Ausbeutung der Bodenschätze auf Reservationen zum Nutzen der amerikanischen Ureinwohner.
24.11.1980 4. Internationales Russell Tribunal in Rotterdam (Holland) zur Lage der Indianer in Nord-, Mittel- und Südamerika.
04.04.1981 Die AIM der Dakota errichtet in den Black Hills das »Yellow Thunder Camp« und fordert 320 Hektar Land für religiöse und kulturelle Zwecke. Laut dem Gesetz über die religiöse Freiheit der amerikanischen Indianer von 1978 ist den Indianern der Zugang zu ihren heiligen Stätten und die Durchführung von Zeremonien zu gestatten. Der Antrag wird jedoch abgelehnt.
18.04.1980 Traditionalistisch gesinnte Hopi und Navajo gründen das «Big Mountain Camp«, um den Widerstand gegen die geplante Teilung und Umsiedlungsaktion zu organisieren. – Im Juli ist das Land durch einen 460 Kilometer langen Stacheldrahtzaun geteilt.
04.06.1981 7. Internationale Vertragskonferenz der Indianer auf der White-Earth-Reservation (Minnesota).
August 1981 Die Indianer leiden am stärksten unter den Kürzungen der Sozialausgaben durch die US-Regierung unter Präsident Reagan. Laut Budget müssen die etwa 1,4 Millionen Ureinwohner Streichungen von 96 Prozent für Wohnungsbau, 82 Prozent für Gesundheitsfürsorge und 45 Prozent für Programme zur Arbeitsplatzbeschaffung und Ausbildung hinnehmen.
15.09.1981 II. Konferenz nichtstaatlicher Organisationen über die Urvölker und ihr Land in Genf. Teilnehmer: der Internationale Vertragsrat der Indianer, der Rat südamerikanischer Indianer, der Rat der Ureinwohner Australiens, das Zentrum zu Fragen des indianischen Rechts und der Ressourcen (zweite, parallele nichtstaatliche Organisation der nordamerikanischen Indianer an der UNO), der Rat der Inuit von Alaska.
1982 Im Bereich der Navajo-Reservation befinden sich 38 Uranminen mit riesigen Abraumhalden, 8 Uranmühlen, 3 große Kohletagebauminen, 4 Kohlekraftwerke und 8 stillgelegte Uranminen mit offenliegenden, hochradioaktiven Abraumhalden. Bis zum Jahr 2000 sind dort 6 Kohlevergasungsanlagen, 10 weitere Uranmühlen, etwa 100 Uranminen sowie mehrere Kohle- und Atomkraftwerke geplant.
19.01.1982 Das Oberste Bundesgericht der USA weist eine seit 1980 verhandelte Klage der Sioux ab, nach der das Territorium der Black Hills den Sioux-Stämmen als rechtmäßiges Eigentum zurückgeführt werden muss.
03.06.1982 8. Internationale Vertragskonferenz der Indianer in Gu-achi-Santa Rosa Village (Arizona). Die Teilnehmer fordern alle friedliebenden Menschen in der Welt auf, die Rechte der amerikanischen Ureinwohner zu unterstützen.
16.06.1982 Konferenz der Jugend und der Stammesältesten in Oklahoma. Der »Kreis der Ältesten«, in dem alle Stämme vertreten sind, trifft sich seit 1978 zweimal jährlich, um die wichtigsten Fragen des Überlebens zu besprechen.
09.08.1982 Gründung einer UN-Arbeitsgruppe in Genf zum Schutz der Rechte der Urvölker.
1983 Das Oberste Bundesgericht der USA bestätigt die Gültigkeit eines 129 Jahre alten Vertrages zwischen den Chippewa und der Bundesregierung, der diesem Stamm Jagd- und Fischereirechte auf einem Territorium von 4,6 Millionen Hektar in Nordwisconsin garantiert.
19.04.1983 Treffen zu Fragen des Überlebens bei den Big Mountain Dine (Navajo-Reservation). Auf dem Treffen wird des Kampfes und Widerstandes der traditionellen Führer der Hopi und Navajo gegen die Maßnahmen der US-Regierung gedacht.
15.11.1983 Durch die Anerkennung eines Gerichtsurteils erhalten die Klamath im Bundesstaat Oregon ihr Recht zurück, auf 400.000 Hektar zu jagen und zu fischen. Dieser Stamm hatte 1954 alle Rechte verloren.
27.06.1984 Indianische Journalisten der USA gründen auf einer dreitägigen Konferenz in Pennsylvania eine indianische Pressevereinigung. Die »Native American Press Association« (»Presse-Vereinigung der amerikanischen Ureinwohner«) soll zur besseren Kommunikation beitragen und die Probleme der Ureinwohner der USA erläutern.
1990 Der Native American Languages Act verpflichtet die Regierung zum Erhalt und zur Förderung indianischer Sprachen. Der Native American Graves Protection and Repatriation Act regelt die Rückgabe von Gebeinen aus Museen und anderen Einrichtungen und den Schutz indianischer Grabstätten.
2000 Niska Nation: Den Niska-Indianern im Nordwesten der kanadischen Provinz British Columbia wird die Verwaltungshoheit über ein 2000 km² großes Gebiet zugestanden. Die Niska genießen weitgehende Autonomie, müssen dafür aber, anders als die Reservatsbewohner in den USA, Steuern zahlen. Im September entschuldigt sich das Bureau of Indian Affairs – mit Zustimmung des Weißen Hauses – bei den Indianern Nordamerikas für die „ethnischen Säuberungen“ und andere „furchtbare Dinge“, an denen diese Behörde in den 175 Jahren ihres Bestehens mitgewirkt hat.